Winkelfehlsichtigkeit – Wissen …

Eine Winkelfehlsichtigkeit kann viele Sehprobleme und Beschwerden auslösen – wie zum Beispiel:

  • Schnelles Ermüden der Augen, z.B. beim Lesen oder bei der Bildschirmarbeit, bei der Arbeit.
  • Das Sehen strengt an, was häufig Augenbrennen, Augenschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Nackenverspannung und am Ende auch Ermüdunhg zur Folge hat.
  • Lichtempfindlichkeit – auch bei bedecktem Himmel und oft auch besondernm bei nächtlichen Autofahrten.
  • Mit keiner bisherigen Brille beschwerdefreies Sehen.

Diese und weitere Beschwerden können durch eine Winkelfehlsichtigkeit ausgelöst oder verstärkt werden. Eine Winkelfehlsichtigkeit ist keine Krankheit, sondern eine Fehlsichtigkeit, die nur im beidäugigen Sehen auftritt. Diese Fehlsichtigkeit wird von einem Ungleichgewicht in der Bewegungsmuskulatur des Augenpaares ausgelöst. Eine Winkelfehlsichtigkeit kann wie die Sehschärfe mit einer Brillenglasbestimmung korrigiert werden.

Wenn einige der zuvor genannten Sehprobleme und Anstrengungsbeschwerden auf Sie zutreffen, finden Sie anschließend eine genauere Beschreibung:

  • Das Sehen strengt an und lässt die Augen schnell ermüden, z.B. bei der Bildschirmarbeit oder beim Lesen. Das Schriftbild ist unruhig, die Buchstaben verschwimmen oder tanzen. Bei Kindern können dadurch vermehrt Konzentrations- und Lernschwierigkeiten ausgelöst werden, manchmal auch Auffälligkeiten in der Motorik und die Neigung zur „Hibbeligkeit“…
  • Nach konzentrierter Seharbeit z.B. am PC sind die Augen angestrengt oder brennen – was häufig Augenschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Nackenverspannung… zur Folge hat.
  • Fixationsprobleme der Augen besonders beim Blickwechsel Ferne / Nähe und umgekehrt. Die Augen müssen sich auf jeden neuen Seheindruck erst einstellen und haben Schwierigkeiten länger auf einen Punkt zu sehen. Bei geschwächter körperlicher Verfassung können in Einzelfällen Doppelbilder auftreten.
  • Lichtempfindlichkeit, auch bei bedecktem Himmel, Neonlicht und bei nächtlichen Autofahrten. Sehschärfenprobleme in der Dämmerung.
  • Ein Auge nimmt weniger am Sehprozess teil als das andere Auge. Dies kann zum Nachlassen der Sehschärfe, zu schlechterer räumlicher Orientierung und zu Schwindel führen.
  • Neigung zum Augenblinzeln, Augenzucken, Augenreiben, Zukneifen eines Auges oder Zusammenkneifen beider Augen. Häufig auch die Neigung zur Schräghaltung des Kopfes, weil das Sehen dann als angenehmer empfunden wird.
  • Das Sehen ist unterschiedlich und von der Tagesform abhängig. Durch Stress wird die Sehleistung zusätzlich beeinträchtigt.

Wie können die zuvor genannten Sehprobleme und Anstrengungsbeschwerden behoben werden?

Zunächst wird für jedes einzelne Auge die Sehschärfe in der Ferne korrigiert. Das heißt, das im Auge entstehende Bild darf weder vor/strong> der Netzhautmitte (Kurzsichtigkeit) noch hinter der Netzhautmitte (Weitsichtigkeit) liegen. Eine Brille mit einer falschen Sehschärfenkorrektion kann die gleichen Beschwerden auslösen wie eine unkorrigierte Winkelfehlsichtigkeit.

Danach wird in einer zusätzlichen Messung geprüft, ob beide Augen beim Sehen richtig zusammenarbeiten. Dazu müssen die Netzhautbilder im rechten und im linken Auge auf den Netzhautmitten liegen und dürfen nicht seitlich oder in der Höhe verschoben sein! Wenn hier eine Verschiebung vorhanden ist, spricht man von einer Winkelfehlsichtigkeit. Eine Winkelfehlsichtigkeit kann nach der Sehschärfe in einem speziellen Messverfahren mit Prismengläsern korrigiert werden.

Winkelfehlsichtigkeit – die Ursache vieler Sehprobleme und Anstrengungsbeschwerden

Dieser nur im beidäugigen Sehen auftretende Anteil der Fehlsichtigkeit wird von einem Muskelungleichgewicht in der Bewegungsmuskulatur des Augenpaares ausgelöst. Beide Augen sind dann nicht genau auf das jeweils fixierte Objekt ausgerichtet. Diese minimale Abweichung der Sehachsen vom angeblickten Objektpunkt ist von „außen“ kaum zu erkennen und hat mit Schielen nichts zu tun. Die Folge daraus ist vielmehr eine Fehlsichtigkeit, die früher Heterophorie oder latentes Schielen und heute meistens Winkelfehlsichtigkeit genannt wird.

Die durch eine Winkelfehlsichtigkeit ausgelösten Beeinträchtigungen können alle Altersklassen betreffen – bei Kindern kann dadurch eine Legasthenie vorgetäuscht oder verstärkt werden.
Auch wenn Sie in der Ferne ohne Brille scharf sehen können, kann eine Winkelfehlsichtigkeit alle beschriebenen Anstrengungsbeschwerden auslösen.

Wenn Sie die Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit bei später angefertigten Brillengläsern weglassen würden, wäre das Sehen wieder genauso wie es vor der Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit war – mit allen davor auch schon aufgetretenen Sehproblemen und Anstrengungsbeschwerden.

Warum bleiben Winkelfehlsichtigkeiten vielfach unberücksichtigt, obwohl viele Menschen deswegen Sehprobleme und Anstrengungsbeschwerden haben?

  • Die Korrektion einer Winkelfehlsichtigkeit ist viel zeit- und arbeitsintensiver als die Sehschärfenkorrektion.
  • Da die Sehschärfe für jedes Auge separat korrigiert wird, kommt es hierbei relativ selten zu Fehlmessungen. Bei einer Winkelfehlsichtigkeit werden jedoch beide Augen gleichzeitig ausgemessen – was bei mangelnder Erfahrung oder Qualifikation des Prüfers viel schneller zu falschen Messergebnissen führen kann. Bei einem falschen Messergebnis ist die Prismenbrille für den Betroffenen wirkungslos oder unverträglich. Daher belassen es die meisten, die Brillengläser ausmessen bei der Sehschärfenkorrektion und gehen das „Risiko“ einer binokularen Korrektion nicht ein.

Wenn Sie einige von diesen typischen Sehproblemen und Beschwerden haben, sollten Sie Ihre Augen auf Winkelfehlsichtigkeit überprüfen lassen. Nach einer Kontrolle Ihres beidäugigen Sehens kann man Ihnen sagen, ob Sie eine korrektionsbedürftige Winkelfehlsichtigkeit haben. Wenn dies der Fall ist, werden Ihre Winkelfehlsichtigkeit zunächst in einer kürzeren Messung ankorrigiert. Das reicht schon aus, um Ihnen anschließend zu zeigen, wie Ihr Sehen mit der Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit verbessert werden könnte. Diesen Unterschied zur alten Brille haben die meisten Betroffenen sofort und oft sehr deutlich wahrgenommen. Danach werden Sie sicher beurteilen können, ob Ihre Winkelfehlsichtigkeit vollständig ausgemessen werden soll.

Viele winkelfehlsichtige Menschen haben jedoch die Befürchtung, dass sie beim Ausmessen ihrer Augen falsche Angaben machen könnten. Wenn Sie ähnliche Befürchtungen haben, kann man dazu folgendes sagen: die Ursachen für ungenaue oder falsche Angaben bei Augenglasbestimmungen liegen meistens nicht bei Ihnen, sondern fast immer bei demjenigen, der Ihre Augen ausgemessen hat. Hier kommt es vor jedem Gläserwechsel auf eine verständliche und präzise Fragestellung an – dann wird jeder Betroffene bei der Augenglasbestimmung eindeutige und damit richtige Antworten geben können. Diese sicheren und eindeutigen Antworten sind die Voraussetzung, um für die Richtigkeit einer Prismenkorrektionen garantieren zu können.

Warum ist Winkelfehlsichtigkeit ein weitgehend unbekannter Begriff?

Beim Auftreten von Seh- und Anstrengungsbeschwerden gehen die meisten Betroffenen zunächst zum Augenarzt. Hier können Krankheiten als Ursache der Beschwerden meistens ausgeschlossen werden. Wenn auch bei der Sehschärfenkorrektion keine Defizite gefunden werden, wird den Betroffenen meistens gesagt: „Es liegt nicht an den Augen – Ihre Brille stimmt, bzw. Sie brauchen keine Brille. Eine Ursache für Ihre Sehprobleme und Beschwerden kann nicht gefunden werden.“ Weitere ärztliche Untersuchungen bleiben ebenfalls ergebnislos – weil eine Winkelfehlsichtigkeit keine Krankheit ist, sondern durch die unzureichende Zusammenarbeit eines Augenpaares ausgelöst wird.

Nachdem Winkelfehlsichtige mit solchen Erfahrungen durch eine Prismenbrille beschwerdefrei sehen konnten, haben viele gefragt: „Warum hat mein Arzt mir nicht geholfen und genau das gemacht, was Sie gemacht haben? Ich habe ihm doch alles so genau erklärt! Und wenn er es nicht selbst gemacht hat, warum hat er mir nicht wenigstens einen Hinweis gegeben?“ Man kann die Betroffenen dann immer mit dem Hinweis beruhigen, dass der Aufgabenschwerpunkt eines Augenarztes im Erkennen und Behandeln von Krankheiten liegt und der eines Augenoptikers im Ausmessen und Korrigieren von Fehlsichtigkeiten. In diesem Sinne arbeiten Optiker mit Augenärzten, Ärzten anderer Fachrichtungen, Schulpsychologen und Ergotherapeuten zusammen, was für alle Beteiligten von Vorteil ist. Um anatomische Ursachen für Sehprobleme und Anstrengungsbeschwerden ausschließen zu können, arbeiten Optiker meist langjährig mit Augenärzten zusammen.

Augenärzte nennen die Winkelfehlsichtigkeit meistens Heterophorie, und es ist bekannt, dass 70 bis 80 Prozent aller Menschen davon betroffen sind.

In der Mehrzahl der Fälle kann eine Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie) problemlos von der Augenmuskulatur ausgeglichen werden. In circa 25 Prozent aller Fälle jedoch werden durch eine unkorrigierte Winkelfehlsichtigkeit Beschwerden ausgelöst. Wenn die Anstrengungsbeschwerden so zunehmen, dass sie in die Befindlichkeit des Betroffenen eingreifen, müsste die Winkelfehlsichtigkeit korrigiert werden. Dabei sollte eine Brille mit Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit überwiegend getragen werden. Beim Sport oder in der Freizeit können dann oft auch Kontaktlinsen oder eine ältere Brille ohne prismatische Wirkung weiter genutzt werden.

Wie lang ist die Eingewöhnungszeit bei einer Prismenbrille?

Wenn eine Prismenbrille richtig ausgemessen wurde, können Sie damit spätestens nach einer Stunde (meistens aber schon nach wenigen Minuten) problemlos sehen und werden diese Brille nicht mehr absetzen wollen. Die Eingewöhnungszeit entspricht maximal der Zeit, die auch bei der Augenglasbestimmung gebraucht wurde, um Ihre Augen zu entspannen. In den folgenden Jahren werden Sie dann mit dieser Brille scharf und anstrengungsfrei sehen können.

Hat eine Prismenbrille dickere Gläser?

Nein, meistens ist äußerlich kein Unterschied zwischen einer Prismenbrille und einer Brille zu erkennen, die nur die Sehschärfe korrigiert. Auch Ihr Gegenüber kann nur selten unterscheiden, ob Ihre Brillengläser eine prismatische Wirkung haben oder nicht. Prismengläser können sehr oft (über 90 Prozent) in Ihre eigene Fassung eingesetzt werden, auch wenn diese randlos oder dünnrandig ist. Der verbleibende Anteil von Prismengläsern kann bei „geschickter“ Fassungsauswahl ebenfalls dünn und leicht gehalten werden. (Quelle und eigene Erfahrungen)