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Sehstörung

Der Begriff "Sehstörung" wird oft von Laien verwendet, um alle ungewöhnlichen visuellen Eindrücke zu beschreiben, die außerhalb unseres gewohnten Wahrnehmungsspektrums liegen.

Wenn Sehstörungen auftreten, empfinden wir sie als etwas Störendes und Ungewöhnliches. Oft wissen wir nicht genau, wie wir diese Eindrücke genau beschreiben sollen, und verwenden daher den allgemeinen Begriff "Sehstörung", ohne genau zu wissen, um welche Art von Störung es sich handelt. Um die genaue Art der Sehstörung zu ermitteln, ist eine Anamnese und Untersuchung notwendig, um konkrete Ergebnisse zu erhalten.

Es gibt viele verschiedene Variationen von Sehstörungen, wie zum Beispiel verschwommenes oder unscharfes Sehen, das Wahrnehmen von unspezifischen Lichtblitzen, Empfindlichkeit gegenüber Licht oder Blendung, Doppelsehen, Farbsinnstörungen, Gesichtsfeldausfälle, Flimmern oder Scheinbewegungen. Diese Sehstörungen können Symptome einer Krankheit sein oder auf einen akuten krankhaften Prozess hinweisen, der nicht zwangsläufig auf die Augen beschränkt sein muss.

Es ist jedoch möglich, dass die Ursachen vieler dieser Störungen harmloser Natur sind. Letztendlich kann nur eine professionelle und möglicherweise ärztliche Beurteilung Klarheit schaffen.

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LOW-VISION

Die Rehabilitation von Sehstörungen ist ein spezialisierter Bereich innerhalb der Orthoptik. Orthoptisten sind sowohl in der Rehabilitation von sehbehinderten Menschen (Low Vision) als auch in der Rehabilitation von Patienten mit neurogenen Sehstörungen tätig, beispielsweise nach einem Schlaganfall oder Unfall.

Das Hauptziel der orthoptischen Rehabilitation ist es, Seh- und Wahrnehmungsdefizite zu minimieren, Strategien zur Kompensation zu entwickeln und erlernte Prozesse im Alltag zu trainieren. Dabei gewinnen computerunterstützte Rehabilitationsmethoden zunehmend an Bedeutung. Bei der Rehabilitation von Low Vision-Patienten, die unter schweren Augenerkrankungen wie Makuladegeneration, Netzhautveränderungen, Sehnervenschwund, Trübungen der Linse, Hornhaut oder des Glaskörpers, Pigmentstörungen, Farbenblindheit oder Augenzittern (Nystagmus) leiden, liegt der Fokus hauptsächlich auf der Anpassung geeigneter Sehhilfen. Hierzu gehören Brillen, Kontaktlinsen und Kantenfiltergläser. Zusätzlich kommen monokulare, Handlupen, Lupenbrillen und Leuchtlupen als weitere Hilfsmittel zum Einsatz.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Computeranwendungen spielen auch Sehhilfen im Bereich der EDV eine wichtige Rolle. Computerunterstützte Anwendungen wie bildausschnittsvergrößernde Applikationen und elektronische Lesehilfen sind in Standardsoftware bereits häufig zu finden und bieten zusätzliche Unterstützung für Menschen mit Sehstörungen.

Durch die gezielte Anpassung und Nutzung dieser Sehhilfen erhalten Menschen mit Sehstörungen die Möglichkeit, ihre Lebensqualität zu verbessern und trotz visueller Einschränkungen einen aktiven und selbstständigen Alltag zu führen. Die Rehabilitation von Sehstörungen durch Orthoptisten spielt somit eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen, die mit Sehbeeinträchtigungen einhergehen können.

Rehabilitation zentraler Sehstörungen

Laut Indikationskatalog Orthoptik unterteilen sich die zentralen Sehstörungen in drei Teilbereiche:

Zerebrale Sehstörungen

Nach Schädel-Hirn-Traumata (SHT), bei Hirntumoren oder nach deren operativer Entfernung, nach Hirninfarkten, Hirnblutungen oder Sauerstoffmangelversorgung (zerebrale Hypoxie) kann es zu Beeinträchtigungen des Sehzentrums im Gehirn kommen, die sich in verschiedenen Symptomen äußern.

Mögliche Folgen sind Sehschärfenherabsetzung, Doppelbilder, Farbsinnstörungen, Beeinträchtigung der Lesefähigkeit, Verlust des Gesichtsfeldes, Gesichtsfeldausfälle und vieles mehr.

In der Rehabilitation von zerebralen Sehstörungen werden neben den herkömmlichen Therapieformen, die bereits in der Low Vision-Therapie bekannt sind, auch spezielle Sehtrainings eingesetzt. Diese Trainings dienen der Entwicklung von Sehanwendungsstrategien, dem Erhalt und der Wiedererlangung der Lesefähigkeit. Durch visuelle Aktivierung und den Einsatz von computerunterstütztem Schreib-, Lese- und Hemianopsietraining können in diesem Bereich Verbesserungen erzielt werden.

Netzhautfunktionsstörungen

Makuladegeneration, vor allem altersbedingt, und Retinopathie (Gefäßveränderungen, Blutungen im Auge, z. B. als Folge von Hypertonie und Diabetes) sind für rund 30 % der Erblindungen in der westlichen Hemisphäre verantwortlich und zeigen oft ähnliche Krankheitsbilder wie zerebrale Sehstörungen.

Da Diabetes und Bluthochdruck die häufigsten Erkrankungen in der westlichen Hemisphäre sind, kommt der Rehabilitation in diesem Bereich besondere Bedeutung zu. In der Behandlung von Netzhautfunktionsstörungen werden hauptsächlich konventionelle Therapiemethoden (optische Hilfsmittel) angewendet.

Entmarkungserkrankungen

Bei Sehstörungen infolge von Entmarkungserkrankungen wie Multiple Sklerose wird ebenfalls vorrangig auf den Einsatz optischer Hilfsmittel gesetzt, um die Symptome zu lindern, ähnlich wie bei den anderen genannten Erkrankungen.

Rehabilitation hirngeschädigter Patienten mit zerebralen Sehstörungen

Die häufigste Sehstörung nach Hirnschädigung stellen homonyme Gesichtsfeldausfälle dar. Die visuelle Orientierung sowie die Lesefähigkeit werden hierbei erheblich vermindert. Homonyme Gesichtsfeldausfälle bringen zwei Hauptprobleme mit sich:

Hemianope Lesestörung

Visuelle Explorationsstörung

Die visuelle Explorationsstörung ist durch Alltagsprobleme wie das Übersehen von Personen, Hindernissen und anderen Objekten sowie Orientierungsprobleme in Menschenmengen und auf Plätzen gekennzeichnet. Die Augenbewegungen des Patienten im blinden Bereich sind verkleinert, unorganisiert und die Anzahl der Bewegungen ist zu gering.

Um diese Probleme zu verbessern, wird ein Training der sakkadischen Blickbewegungen in das blinde Halbfeld durchgeführt. Dadurch wird das Blickfeld vergrößert und die Geschwindigkeit der Suchbewegung und -erfassung gesteigert. Sakkaden sind schnelle und ruckhafte Bewegungen, mit denen das Auge bewusst von einem Fixationspunkt zum nächsten bewegt wird.

Eine systematische visuelle Suche im Raum unterstützt den Patienten bei einer besseren räumlichen Orientierung und führt zu einer Steigerung des Suchtempos. Dadurch wird es dem Patienten ermöglicht, einige alltagsrelevante Aufgaben besser zu bewältigen, wie beispielsweise die Orientierung in Gebäuden und Stadtteilen, das Erledigen von Besorgungen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie das Zurechtfinden in fremder Umgebung.

Zusätzlich zu den genannten Problemen kann auch ein visueller Neglect auftreten, bei dem der Patient eine Raumhälfte, meistens die linke Seite, scheinbar "vergisst". Die Therapie für den visuellen Neglect erfolgt ähnlich wie bei der visuellen Explorationsstörung durch Sakkadentraining.

Eine weitere Sehbeeinträchtigung, die auftreten kann, ist die Fusionsstörung. Bei dieser Störung werden die Bilder, die jedes Auge dem Gehirn überträgt, nicht zu einem einzigen Bild zusammengefügt, sondern existieren als Einzelbilder weiter. Die Therapie erfolgt durch Übungen am Cheiroskop oder dem Fusionstrainer nach Keller, um das Zusammenspiel der Augen zu verbessern und die Fusionsfähigkeit zu fördern.

Klassische Sehübungen

Bei den Übungen ist es von besonderer Bedeutung, darauf zu achten, dass der Kopf während des Trainings stets gerade gehalten wird. Patienten mit visuellen Explorationsstörungen neigen dazu, ihren Kopf automatisch zu bewegen, um das fehlende Gesichtsfeld auszugleichen und das blinde Halbfeld zu kompensieren.

Eine Übungseinheit dauert in der Regel etwa 45 bis 60 Minuten und wird zweimal pro Woche durchgeführt. Eine Trainingsserie besteht aus ungefähr 10 bis 15 Einheiten, kann jedoch je nach Bedarf verlängert oder bei mangelnder Motivation vorübergehend unterbrochen werden. Um die Effizienz des Trainings zu maximieren, wird es individuell an den Fortschritt und die Fähigkeiten des Patienten angepasst.

Hierbei kann die Anwendung von Computern zur Unterstützung der Rehabilitation hilfreich sein.

Die Übungen finden hauptsächlich in orthoptischen Akademien oder Rehabilitationsstationen statt. Teilweise erhalten die Patienten auch Hausübungen, die zusätzliches Training und eine häufigere Durchführung ermöglichen.

Muskeltrainer

Diese Form der Therapie, entwickelt von Christine Paul, konzentriert sich auf die Ausführung von Augenbewegungen ohne gleichzeitige Kopfbewegungen. Hierfür wird beispielsweise ein an einer Schnur aufgehängter Ball oder ein zu verfolgender Punkt so bewegt, dass die Aufmerksamkeit in das blinde Gesichtsfeld gelenkt wird. Ziel des Trainings ist es, Augenbewegungen ins blinde Halbfeld geschmeidig und kontinuierlich durchzuführen.

Sakkadentraining

Beim Sakkadentraining werden kleine und große Sakkaden trainiert. Um die sakkadischen Suchbewegungen ins blinde Halbfeld zu vergrößern, übt man dies am Goldmann-Perimeter. Dabei fixiert der Patient mit beiden Augen die Mitte einer Halbkugel. Anschließend soll der Patient einen Lichtpunkt, den der Orthoptist an verschiedenen Stellen im verlorenen Gesichtsfeld platziert, durch eine große Sakkade erreichen. Die Lichtpunkte werden nacheinander an verschiedenen Positionen platziert.

Es besteht die Möglichkeit, bei dieser Übung einen Computer einzusetzen, der den Fixationspunkt und die Lichtpunkte darstellt. Dabei können die Lichtpunkte je nach Schwierigkeitsgrad leichter systematisch mit akustischem Hinweis oder schwieriger angezeigt werden. Dies entspricht im Wesentlichen dem Explorationstraining am ELEX-Gerät (elektronisch gesteuertes Lese- und Explorations-Gerät).

Lesetraining

Auch das Lesetraining wird am ELEX-Gerät durchgeführt. Hierbei läuft ein einzeiliger Text von links nach rechts über den Bildschirm. Der Patient hat die Aufgabe, das Wort in der Mitte des Bildschirms zu erfassen und vorzulesen, wobei sich Zeichengröße, Zeichenabstand und Laufgeschwindigkeit verändern lassen. Dank entsprechend entwickelter Software kann jede Computereinheit diese Übungen durchführen, wodurch die Anschaffung eines speziellen ELEX-Gerätes entfällt.

Explorationstraining

Neben dem Explorationstraining am ELEX-Gerät gibt es auch das Explorationstraining nach Münßinger/Kerkhoff. Die Therapeuten Münßinger und Kerkhoff haben ein umfangreiches Therapiematerial entwickelt, bestehend aus 260 Papiervorlagen, das zur Behandlung von visuellen Explorationsstörungen eingesetzt werden kann.

Es umfasst acht Aufgabengruppen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Auf den Vorlagen sind verschiedene geometrische Figuren und Formen abgebildet, die vom Patienten erkannt werden sollen. Im Fokus steht die Orientierung auf den einzelnen Vorlagen, um eine ökonomische Such- und Blickstrategie zu erlernen und das Suchtempo zu verbessern.

Die Übungen beinhalten unter anderem das Zählen und Auffinden von Figuren und Formen sowie das Vergleichen von Objekten. Je nach Schwierigkeitsgrad werden die Übungen in simpler Anordnung in Spalten und Zeilen oder in komplexerer Anordnung durchgeführt.

Reha-Sehtraining nach Christine Paul

Das grundlegende Ziel des Reha-Sehtrainings ist die Erhaltung bzw. Rückgewinnung der Lesefähigkeit. Durch die Förderung von reizreichen taktilen Erfahrungen, zum Beispiel durch Spiele, wird auch die Hand-Auge-Koordination verbessert.

Das Training besteht aus Übungsunterlagen, die in zehn Lektionen unterteilt sind und in ansteigendem Schwierigkeitsgrad durchgeführt werden. Dabei ist es wichtig, dass der Patient weder über- noch unterfordert ist, daher können Lektionen bei Bedarf übersprungen oder intensiviert werden.

Der Patient bearbeitet Aufgabenstellungen wie Ausstreichübungen, Kreuzworträtsel, Lesewörter, Verbinden von Zahlen, Figuren zum Nachzeichnen, Schreibtraining, Wörterquiz und Suchbilder. Zusätzlich zu den Übungsunterlagen können auch Hausübungen sowie Spiele wie Domino, Memory und Puzzles als nützliche Ergänzungen für das Reha-Sehtraining eingesetzt werden.

Spiele

Neben Spielen wie Domino oder Memory eignen sich auch verschiedene Gesellschaftsspiele hervorragend für die Rehabilitation. Diese bieten nicht nur Abwechslung, sondern fördern auch das visuelle Erkennen von Strategien und Mustern, das Differenzieren von geringen Bildunterschieden und das Überblicken von Situationen. Durch den spielerischen Charakter werden therapeutische Übungen auf lockere und motivierende Weise gestaltet, was die Rehabilitation unterstützt und angenehmer gestaltet.

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